Aufführung des Literaturkurses
Aufführung des Literaturkurses
Dahinschwimmende Liebe
Was lässt schon der Raum für den Gang der Geschichte erahnen, wenn er als Schiff dahergeschwommen kommt und Aphrodite heißt? Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe und Schönheit. Auf dem M.S. Aphrodite, dem Traumschiff, soll die letzte Folge der berühmten TV-Serie „Dahinschwimmende Liebe“ abgedreht werden. Alles, was im Show-Geschäft Rang und Namen hat, lässt der Regisseur Francois de Bedell in der nun letzten Folge auftreten. Beate Reichenbach, in deren Schlepptau ihr Mann Rüdiger, den sie wegen einer gewissen Ähnlichkeit zu dem Titelhelden ihrer Lieblingssoap geheiratet hat, hat ihr nun bei dieser Schiffsreise zu folgen, sieht die Gelegenheit, ihren Serienhelden Menno Mennerich hautnah erleben zu können.
Doch die Wahrheit hinter den Kulissen sieht völlig anders aus. Die Stars, keineswegs charmant, aber launisch und schikanös, fühlen sich un- und missverstanden, das Schlimmste: der Hauptdarsteller fällt aus. Und das, obgleich nur noch die Kleinigkeit von fünf Minuten zu drehen gewesen wäre, und die letzte Folge wäre im Kasten.

Das Schicksal schreibt das Drehbuch nach eigenster Laune: Als Ersatz für den ausgefallenen Menno Mennerich wird – unter strengster Geheimhaltung – Rüdiger Reichenbach die Rolle des berühmten Serienhelden übernehmen. Talentlos wie ein Zaunpfahl, was den Regisseur fast zur Verzweiflung bringt, bringt Rüdiger alias Menno den Dreh hinter sich. Die Presse und Fans sind hinter ihm her, selbst seine Frau erkennt ihn nicht. Gelegenheit für Rüdiger, ihr seine Version vom großen Menno Mennerich zu präsentieren und sie um einige Fernsehillusionen zu erleichtern.

Die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses von Frau Ertmer taten alles, um bei dieser Schiffsreise nicht abzusaufen. Die Rettungsboote mussten nicht gewassert werden. Einige stellten sogar ihr schauspielerisches Talent unter Beweis. Man merkte ihnen an, dass ein Stück aufzuführen mehr ist, als einen Text auswendig daherzusagen. Wenn die Crew noch ein wenig mehr Zeit im Trockendock trainiert hätte, dann hätten auch die etwas schwächeren Crew-Mitglieder mehr von ihrem seemännischen bzw. seefraulichen, sprich: schauspielerischen Fähigkeiten beweisen können. (Hermann-Josef Skutnik)
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